Ich habe es nicht geschafft!
Du hast sicherlich von meiner Liebe zur deutschen Sprache erfahren. Ich würde noch dazu behaupten, dass Du schon weißt, wie ich das Deutschlernen wertschätze. Wie jeder Deutschlernende habe ich die üblichen Niveaus (nicht alle) des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) gelernt, sprich vom A1 bis B2.
Die Reis zur sprachlichen Souveränität
Obwohl ich bereits Fortschritte machte, war ich mit meinen Deutschkenntnissen noch immer nicht gänzlich zufrieden. Es stellt sich die grundlegende Frage: Welches Niveau muss man in einer neuen Sprache tatsächlich erreichen, um als fließend sprechend zu gelten? Oder noch viel entscheidender: Ab welchem Punkt darf man mit den eigenen Bemühungen und dem Erreichten wirklich zufrieden sein?
Diese Frage lässt sich gewiss nicht pauschal beantworten. Meiner Ansicht nach ist der Schlüssel zum Erfolg die Beständigkeit. Wenn man sich bewusst die Zeit nimmt, die gelernten Inhalte sachlich zu analysieren, sie regelmäßig wiederholt und konsequent im Alltag anwendet, kann man durchaus eine fließende Beherrschung der deutschen Sprache erlangen.
Die Herausforderung der Praxis
Ich möchte dies an meinem eigenen Beispiel verdeutlichen:
- Der Stand nach sechs Monaten: Meine Deutschkenntnisse waren zu diesem Zeitpunkt bereits beachtlich und solide fundiert.
- Die Hürde: Dennoch hatte ich beständig mit Flüchtigkeitsfehlern zu kämpfen.
- Das Phänomen: Es passierte immer wieder, dass mir kleine, aber wichtige Wörter im Redefluss entfielen.
Dabei lag die Ursache keineswegs darin, dass mir der Wortschatz fehlte oder ich die entsprechenden Begriffe nicht gelernt hätte – ganz im Gegenteil. Das Problem war schlichtweg die mangelnde Praxis. Da ich viele Wörter im täglichen Gebrauch kaum genutzt hatte, waren sie zwar in meinem Gedächtnis gespeichert, aber nicht sofort abrufbar. Es ist eben ein gewaltiger Unterschied, ob man eine Regel versteht oder ob sie in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Die Erkenntnis: Vom Wissen zum Können
Ein wesentlicher Aspekt meiner Erfahrung war, dass ich im Grunde dazu in der Lage war, einen Großteil meiner eigenen Fehler selbstständig zu erkennen und zu korrigieren. Diese Tatsache führte mir vor Augen, dass das Problem nicht an mangelnder Intelligenz oder fehlendem Vokabular lag, sondern schlichtweg daran, dass ich die Sprache nie in ausreichendem Maße praktisch geübt hatte. Ich hatte zwar Zeit investiert, doch das Ausmaß reichte nicht aus, um die Inhalte zu verinnerlichen.
Die Suche nach der richtigen Methode
In der Hoffnung, eine Lösung für dieses Problem zu finden, besuchte ich nacheinander verschiedene Sprachkurse. Zu jenem Zeitpunkt war ich fest davon überzeugt, dass dies der einzige Weg zur Besserung sei. Ich suchte gezielt nach Lehrgängen, die genau meine spezifischen Schwierigkeiten behandeln konnten.
Dieser Ansatz war prinzipiell auch richtig, denn ich vertrete eine klare Ansicht:
- Qualität vor Nachlässigkeit: Wenn man sich dazu entschließt, eine neue Sprache zu erlernen, dann sollte man dies auch gründlich und vernünftig angehen.
- Keine Kompromisse: Meines Erachtens gibt es keine stichhaltige Ausrede für eine dauerhaft mangelhafte Grammatik.
Das Wesen der Sprache
Schließlich gelangte ich zu einer entscheidenden Erkenntnis über die Natur der Kommunikation: Eine Sprache besteht zu einem großen Teil aus der stetigen Wiederholung feststehender Wendungen und Phrasen. In dieser einfachen Wahrheit lag gleichzeitig die Lösung für meine gesamte Problematik im Deutschen.
Ich erkannte rückblickend: Ich hatte die notwendigen Phrasen zwar gelernt und auch wiederholt, aber leider eben nicht oft genug, um sie ohne bewusstes Nachdenken abrufen zu können. Es fehlte die Tiefe der Wiederholung, die notwendig ist, damit das Wissen vom Kopf direkt in den Mund wandert.
Wie ich schon erwähnt habe, dass mein Deutsch von Anfang an ziemlich gut war, konnte ich leider die nervigen Sprachfehler nicht schnell loswerden oder korrigieren. Ich suchte nach einer effektiven Lösung, mit der ich mich abfinden kann. Ich hatte keine Lust auf formelle Kurse, die darauf gezielt sind, mir die standardisierten grammatischen Regeln beizubringen. Ich wollte einfach in der Lage sein, zu bestimmen, was ich lernen werde. Denn ich möchte nur diese Fehler korrigiert haben. Nur diese Fehler und nichts Anderes.
Bis zum Ende meines ersten Jahres in Deutschland hatte ich offiziell das B2- Niveau des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) erreicht. Mit diesem Niveau hast Du bessere Chancen, in Deutschland eine Arbeit zu finden, bei einer Firma, wo überwiegend Deutsch gesprochen wird. Du darfst aber nicht vergessen, dass ein B2-Sprachzertifikat des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER) nicht dem gesprochenen Deutsch eines Deutschlernenden entspricht. Wir kennen alle ein paar Leute, die zwar das Sprachniveau B2 erreicht haben, aber sie können kaum Deutsch gut sprechen. Es ist traurig, aber wahr.
Der Spagat zwischen Anspruch und Alltag
Mein persönlicher Anspruch war seit jeher sehr hoch: Ich habe mir unermüdlich Mühe gegeben, damit meine Deutschkenntnisse entweder exakt den Anforderungen des jeweiligen Sprachzertifikats entsprechen oder diese sogar noch übertreffen. Rückblickend würde ich sagen, dass mir dies zu etwa 85 % gelungen ist. Trotz dieses beachtlichen Erfolges entschied ich mich dazu, mich ein drittes Mal für einen weiteren Deutschkurs anzumelden. Mein erklärtes Ziel war es, sowohl meine Rechtschreibung als auch meine Grammatik bis ins kleinste Detail zu vervollkommnen.
Die Herausforderungen der Schriftlichkeit
Was die Rechtschreibung betrifft, schätze ich mich generell als sehr sicher ein. Das Buchstabieren bereitete mir eigentlich nie größere Schwierigkeiten. Wer jedoch die deutsche Sprache erlernt, stößt unweigerlich auf Besonderheiten, die es in anderen Sprachen – wie etwa dem Englischen – in dieser Form nicht gibt. Ich spreche hierbei von den spezifischen Buchstaben und Umlauten, die eine ganz eigene Aufmerksamkeit erfordern.
Wenn das Leben dazwischenkommt
Doch dieses Mal stieß ich an meine zeitlichen Grenzen. Da ich beruflich und privat zu viel gleichzeitig bewältigen musste, war es mir schlichtweg nicht möglich, mich mit der nötigen Konzentration diesem Kurs zu widmen. Ich habe es zwar aufrichtig versucht, doch die Umstände ließen es nicht zu.
Normalerweise habe ich meine Sprachkurse stets mit größtem Ernst verfolgt und bin ausnahmslos zu jeder Unterrichtsstunde erschienen. Dieses Mal jedoch war alles anders. Mein Terminkalender war derart überfüllt, dass der Deutschkurs auf den letzten Platz meiner Prioritätenliste rutschte. Dennoch bedeutet das nicht, dass ich untätig war:
- Beständigkeit: Ich habe trotz der zeitlichen Not fast jeden Tag Deutsch geübt.
- Die Ausnahme: Dieser dritte Kurs bleibt jedoch der einzige, in den ich bisher die wenigsten Mühen investiert habe.
- Die Einschätzung: Ich war mit den vermittelten Inhalten durchaus zufrieden, erkannte aber auch, dass es sich um Themen handelte, die man ohne größere Probleme schrittweise eigenständig nachholen konnte.
Der Weg in die Eigenständigkeit
Aus diesem Grund habe ich den Kurs schließlich nicht bis zum offiziellen Ende fortgeführt. Stattdessen traf ich eine bewusste Entscheidung: Ich verließ mich auf das solide Fundament meiner grundlegenden Kenntnisse der Grammatik und Rechtschreibung, die ich in den vorherigen Kursen erworben hatte. Darauf aufbauend entwickelte ich eigene Lernmethoden für das Selbststudium, um mich unabhängig von starren Unterrichtszeiten weiterzuentwickeln. Alles, was ich brauchte, hatte ich schon. Ich hatte jede Menge Lernmaterialien von allen Deutschkursen, die ich je besucht habe. Ich denke mittlerweile, dass dieses Denken zum Abbruch meines dritten Deutschkurses geführt hat.





