Das vierte Jahr in Deutschland

Na Du! Danke fürs Lesen und Teilen :-)

Die Freiheit nach der Schule

Ich hoffe, du hast schon die Berichte über mein erstes bis drittes Jahr in Deutschland gelesen. In diesem Beitrag möchte ich dir von meinem vierten Jahr erzählen. Es ist vielleicht eines der seltsamsten Jahre, die ich jemals in Deutschland erlebt habe. Es ist nichts Dramatisches passiert – aber es war anders als die Jahre zuvor.

Wie du wahrscheinlich weißt, war ich noch im dritten Jahr in der Schule. Nun ja, alles hat ein Ende, und dies gilt auch für die Schule. Hähähähä. In meinem vierten Jahr in Deutschland habe ich endlich meine Abschlussprüfung erfolgreich bestanden. YAY, ich! Ich hatte es geschafft. Von null bis zur erfolgreich bestandenen Abschlussprüfung – sogar mit sehr guten Noten.

Ich kann mich leider nur an den Stress erinnern, nichts anderes. Vielleicht liegt es daran, dass ich von Natur aus die Schule hasse, aber ich habe keine schönen Erinnerungen. Ich erinnere mich nur an den Stress, den die Schule mit sich bringt: kurze Nächte, lange Tage, Klausuren und Schulbücher, die zum Lesen total langweilig waren. Mal gab es Dozenten, die Lust auf ihre Arbeit hatten, und dann solche, die keinen Bock darauf hatten, Unterricht abzuhalten. Ja, man muss auch ehrlich sein: Nicht alle Dozenten unterrichten, wie sie es tun sollten. Aber was soll’s? Jeder hat mal schlechte Tage. Hähähähä.

So, zurück zur Geschichte. Nach bestandener Abschlussprüfung ist der größte Teil meines Lebens in Deutschland weggefallen. Das Lernen – das waren 95 % meines Lebens seit meiner Ankunft. Mit Beginn meiner Umschulung zur Immobilienkauffrau wurde das Schulleben sehr intensiv. Ich habe zwar gleichzeitig gearbeitet, aber das war immer noch nicht der größte Teil meines Lebens. Die Schule hatte, wie ich in anderen Beiträgen erwähnt habe, Vorrang.

Allerdings ist dies nun vorbei. Es mag sehr seltsam klingen, aber dies hat mein Leben so stark verändert. Ich war da – komplett frei. Ich musste nicht um 5:00 Uhr aufstehen, um für meine bevorstehende Abschlussprüfung zu lernen.

Es war endlich mal Zeit, neue Hobbys und Interessen zu finden und ein neues Leben zu führen. Obwohl die Anpassung direkt danach etwas schwierig war, war ich unheimlich froh, dass es vorbei war. Ich war froh, dass ich nicht mehr so lernen musste, um irgendeine standardisierte Prüfung zu bestehen – eine, nach deren Abschluss man alles vergisst, was man die ganze Zeit gelernt hat. Zum ersten Mal nach so langer Zeit hatte mein Geschäft Vorrang. Es war nicht mehr zweitrangig, sondern erstrangig. Ich musste nicht mehr für die Schule bzw. Prüfungen lernen, sondern nun für meinen Beruf.

Das Leben eines Menschen, der in einem Beruf arbeitet, dessen Gesetze sich ständig ändern, erfordert, dass man sich immer auf dem neuesten Stand hält. Ich musste wieder lernen, aber anders und mit einem anderen Ziel. Es ging nicht mehr darum, standardisierte Fragen der IHK innerhalb von drei Stunden zu beantworten, sondern um systematisches Verständnis der Gesetzeslage, die Komplexität des Umgangs mit Menschen und die Umsetzung der erworbenen Kenntnisse. Dies wurde meine neue Liebe, meine neue Routine.

Und ganz ehrlich, ich wusste nicht, wie sehr ich es lieben werde. Eine Leidenschaft ist in mir entstanden. Mir ist irgendwann aufgefallen, wie viel Spaß ich daran habe, in meinem Beruf zu arbeiten und von der Komplexität des Umfangs der Hausverwaltung zu erfahren.

Ich weiß eben nicht, ob dies das Leben entspannend machen soll oder eher deprimierend: Wenn eine Sache erledigt ist, kommt direkt danach die nächste, die du entweder erledigen oder lösen/korrigieren musst.

Viele haben gemeint, dass vier Jahre kurz für alles waren, was ich ,,geschafft“ habe. Ich kann mich ihnen bis dato nicht anschließen. Weiß man wirklich, wie viele Jahre es im Durchschnitt braucht, um ein stabiles Leben in einem fremden Land aufzubauen – ohne Jobangebot in der Hand? Ich bin kein Einzelfall. Ich bin der Meinung, dass es noch so viele Fälle gibt, die genauso wie ich angefangen und sich hier in Deutschland ein Leben von null aufgebaut haben.

Es gibt wirklich dazu keine bestimmte Methode, weil wir alle verschiedene Umstände haben. Ich denke, es hat mehr Zeit in Anspruch genommen, als die anderen vermuten. Zumindest hat es sich bei mir so angefühlt – 3 Jahre und 7 Monate sind keine kurze Zeit, oder was meinst du? Wie lange hat es bei dir gedauert, bis du ein Leben in Deutschland aufgebaut hast? Ich schätze mal, zwischen 3 und 5 Jahren, oder liege ich hier falsch?

Jedenfalls war ich nicht ganz zufrieden – es ging halt. Wie eben gesagt: Wenn eine Sache erledigt ist, kommt eine andere dazu, die entweder gemacht oder gelöst werden muss. Ich hatte kein ,,normales Leben“, bis ich mit meiner Umschulung fertig war. Hähähähä – es war einfach „das Leben eines Erwachsenen, der die Schule nachholen musste“. Nichts Besonderes bis zum Ende des vierten Jahres in Deutschland, da war ich frei von der Schule und hatte die Chance, das Leben wie ein „normaler“ Mensch zu erleben. Es fühlte sich so an, als ob ich nun frei war, Deutschland zu entdecken.

Es war, als ob ich direkt aus dem Gefängnis kam und jetzt in Freiheit rennen und etwas erleben durfte – es mag komisch klingen, aber Schulleben ist echt stressig und sehr beschränkend. Vielleicht kennst du ja auch dieses Gefühl, dass du nicht frei genug bist, jeden Tag nach der Schule feiern zu gehen, wenn du nach fast jedem Modul, alle zwei Wochen, eine Prüfung schreiben musst. Ich kann nicht genug betonen, wie scheiße dies angefühlt hat, aber es ist alles vorbei jetzt. Während meines vierten Jahres in Deutschland habe ich meine Abschlussprüfung erfolgreich bestanden! YAY, ich!!!


Na Du! Danke fürs Lesen und Teilen :-)

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